Fasching für Anfänger

Fasching

Die „narrische Zeit“ ist in vollem Gange, in einigen Gegenden Deutschlands werden Umzüge geplant, Reden geschwungen, Lieder gesungen extra für dieses Ereignis. Als an der Küste aufgewachsener Berliner ist mir dieser ganze Karneval sehr fremd. Bis ins Erwachsenenalter wusste ich nicht einmal, dass Fasching mehr ist als einen Tag verkleidet in den Kindergarten oder die Schule zu gehen, nettes Essen zu mampfen, ein paar Spiele zu machen und zu tanzen. Unsere Kostüme waren harmlos – Mariechenkäfer, Riesenbaby, Pippi Langstrumpf, Polizist, Räuber, Seemann etc. Weder teuflische noch anzügliche Elemente sind mir aus meiner Kindheit und Jugend zur Faschingszeit bekannt.

Fasching in der Kita

Hintergrund von Fasching & Co.

Ganz anders sieht es aus, wenn man in die „Hochburgen“ des Karnevals schaut. Bei Wikipedia zum Beispiel ist viel Hintergrund dazu zu lesen:

Wikipedia Fasching

Und auf einem Arbeitsblatt für Grundschüler habe ich gelernt, dass Karneval drei verschiedene Wurzeln hat – eine germanische, eine christliche und eine römische. Die alten Germanen wollten am Ende des Winters mit grauseligen Masken und viel Krawall die Wintergeister vertreiben, die Christen (Katholiken) wollten diese Sitte ausrotten, was ihnen aber nicht so recht gelang. Also versuchten sie wenigstens, die heidnischen Geistermasken gegen Teufelsmasken zu ersetzen, um den Teufel auszutreiben. (Diese sehr gruselige Methode der Kirche findet sich übrigens auch heute noch an einigen Orten.) So konnten auch die Christen vor Beginn der Fastenzeit noch einmal so richtig feiern. Am Unbekanntesten ist wohl der alte römische Brauch, einen Tag im Jahr sowas wie verkehrte Welt zu haben. Die Herren bedienten die Sklaven, die Diener durften ungestraft kritisieren und Witze auf Kosten ihrer Herren machen. Die heutigen Büttenreden gehen wohl darauf zurück. Nachlesen kann man es in kindgerechter Form z.B. hier:

Karneval erklärt

Im (überwiegend katholischen) Süden Deutschlands haben sich mehr Karnevalsbestandteile gehalten als im (überwiegend protestantischen) Norden. Das hat vielleicht auch noch was mit dem Temperament der Menschen zu tun. Außerdem sind die Römer damals ja gar nicht so weit nach Norden und Osten vorgedrungen, auch dieser Teil des Brauchtums ist damit im südwestlichen Deutschland geblieben.

Problematisch?

Wie bei vielen anderen Sitten und Bräuchen, bei denen ein Hintergrund vermutet wird, der nicht biblisch sondern zum Beispiel ausgeprägt heidnisch ist, gibt es reichlich Kontroversen. Für die einen ist das verkleiden an sich schon ein No-Go. Sie lehnen es ab, sich hinter Masken und Rollen zu „verstecken“. Am anderen Ende der Skala gibt es Christen, die zum Fasching fröhlich in diversen Umzügen mitlaufen, Kamelle schmeißen und Sitzungen mitgestalten.

Auch die Christen früher hatten solche Konfliktthemen. Dabei ging es um Fleisch, das den (heidnischen) Göttern geweiht worden war und nun deutlich preiswerter zu kaufen war als ungeweihtes Fleisch.  Einige Christen hatten überhaupt kein Problem damit, solches Fleisch zu kaufen und zu essen, während andere Christen solch heidnisches Zeug auf keinen Fall auch nur anrühren würde. Interessant finde ich den Umgang der Bibel mit diesem Dilemma. Es wird nämlich kein Gebot im Sinne von: „Du sollst kein Götzenopferfleisch essen“ aufgezeigt, und auch kein Freibrief im Sinne von: „Du kannst völlig bedenkenlos Götzenopferfleisch essen“. Der Weg des Neuen Testaments ist der Anstrengendste. Es geht hier nämlich um Beziehungen, und zwar die der Christen untereinander.  Etwas salopp ausgedrückt könnte man sagen,  dass es Gott völlig schnurz ist, ob jemand dieses Fleisch isst oder nicht. Es gibt da kein Richtig oder Falsch. Was es aber gibt ist das Achten auf den Bruder und die Schwester. Und damit auch das Finden einer eigenen Grenze. Die Frage lautet also nicht: „Darf ich als Christ das machen?“, sondern die Frage lautet: „Wo setze ich meine Grenzen, wie nutze ich meine Freiheit, mich zu entscheiden, so dass ich in der Liebe handle, die Gott ausgeteilt und in Jesus vorgelebt hat.“

Herzen verbinden

„Connection“ nennt sich das Neudeutsch – Lösungen können gefunden werden, wenn Menschen sich untereinander verbinden, eine Herzensbeziehung zueinander zulassen und aufbauen. Sich auf diese Art auch verletzlich machen. Das ist natürlich nicht mit jedem „Hinz und Kunz“ möglich oder auch nur sinnvoll, aber wir haben so die Möglichkeit, mit den Menschen um uns herum in Verbindung zu kommen. Von ihren Ängsten und Sorgen zu hören. Unsere Ängste und Sorgen mitzuteilen. Unseren großen Gott in die Mitte zu stellen. Das ist jedenfalls der Ansatz, zu dem ich Dich gern ermutigen möchte. Solange wir uns unsere Ängste gegenseitig um die Ohren hauen, vielleicht getarnt als Vorwürfe („Ein Christ darf doch nicht …“, „Ich verstehe gar nicht, wie Du als Christ so etwas wie Fasching überhaupt nur in Betracht ziehen kannst“ und ähnliche „Liebenswürdigkeiten“), werden wir auch gleichzeitig Schutzschilde brauchen, um nicht verletzt zu werden. Wenn wir aber aufeinander achten und davon ausgehen, dass der Gott, der in unserem Gegenüber wohnt, der gleiche Gott ist, der auch in Paulus, Mutter Theresa und Jesus lebendig war, können wir gar nicht anders, als uns gegenseitig mit Respekt zu behandeln. Oder?

Ich selber bin ja wie gesagt kein Fan ausgeprägter Faschingsfeierei … einmal verkleiden für die Kita oder Schule, okay, Karnevalsumzüge, Karnevalssitzungen u.ä. sind mir selber nix. Ich kräusel auch immer die Ohren, wenn die Kinder von ihrem karnevalsbegeisterten Papa nach Hause kommen und ganz unglaubliche Texte trällern … ganz ehrlich, da hab ich auch schon Verbote ausgesprochen. Solch schlüpfrige und zweideutige Texte will ich bei mir nicht hören, und schon gar nicht in Dauerschleife. Und an dem Punkt bin ich dann auch herausgefordert … eben nicht zu einem „Wie kann man nur“ zu greifen, sondern respektvoll meine Grenzen aufzuzeigen, zu erklären, was mir daran nicht gefällt, und … es nicht zu hoch zu hängen! Gelingt aber nicht immer …

Was sind Deine Herausforderungen in Bezug auf Fasching und Karneval? Ich freue mich über Kommentare!

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