Homebase – mein geistliches Basislager

Wer schon einmal auf einer Messe war, weiß, wie wunderbar es ist, einen Ort zu haben, an dem man anlanden kann. Eine Homebase, ein Basislager.

Als Kinderbuchautorin treibe ich mich natürlich bevorzugt auf Buchmessen herum. Das ist an sich schon mal ziemlich anstrengend – die Beleuchtung tut den Augen weh, die Luft ist immer viel zu trocken und es gibt nur sehr wenige Orte, an denen man sich einfach mal hinsetzen kann. Von den Taschen voller Flyer, Leseproben, Geschenkchen von den Ständen, Katalogen etc. mal ganz abgesehen.

Eine Homebase für mich

Das alles ist abrupt anders geworden, als ich mein erstes Buch im Kinderbuchverlag Biber & Butzemann herausgebracht hatte. Plötzlich war ich nicht mehr allein herumstromernde Autorin, sondern eben Biber & Butzemann-Autorin. Es gab einen Stand, dem ich mich zuordnen konnte!

Ja, und?, fragst Du Dich jetzt vielleicht, was ist daran so toll? Ganz einfach – es gibt eine Homebase:

  • ein Ort, wo meine Jacke und Verpflegung für den Tag bleiben können
  • ein Ort, an den ich meine Einkäufe und Schnickschnack bringen kann
  • ein Ort, wo ich auch Wertsachen lassen kann
  • ein Ort, an dem ich auch mal die Schuhe ausziehen kann
  • ein Ort, an dem ich mich zurückziehen kann, wenn es mir zu viele Eindrücke werden
  • ein Ort zum Ausruhen, wenn die Beine und/oder der Rücken die Nase voll haben

Innere Baustellen bearbeiten

In meinem letzten Blogartikel Warum ich meine Mittagspause auf der Piste verbringen habe ich davon erzählt, dass ich mir einen Raum geschaffen habe, in dem ich meinen Körper fit mache. Genauso merke ich, dass es mir gut tut, wenn ich eine Art geistliche Homebase im Alltag habe. Das ist für die „Inneren Baustellen“, die in diesem Artikel erwähnt wurden.

Kinderschar, Kinder

Wie schnell wird alles zu viel – die Arbeit, der Zeitdruck, die Ansprüche und Bedürfnisse der Kinder, der Partner u.s.w.u.s.f.  Dann habe ich das Bedürfnis, mal irgendwo anlanden zu können, die Taschen abwerfen, Schuhe ausziehen und ein Glas Wasser trinken. Im übertragenen Sinne jedenfalls.

Es gibt sie doch, die Lücken

Mit meinem Online-Kurs, der mir hilft, meine Zeit produktiver zu nutzen, bin ich in der Zwischenzeit auch einigen Leerstellen in meinem Tagesablauf auf die Schliche gekommen. Die mittägliche Inliner-Runde hatte etwas unter der Hitze (knallige Sonne und 30° sind einfach keine günstige Voraussetzung …) gelitten, aber ich habe es geschafft, in meinen Morgen täglich (ja, wirklich!) ein kurzes Training zu integrieren. Das sind nur wenige Minuten, aber die dafür nötige Fokussiertheit scheint einen wirklich guten Einfluss auf den Rest meines Tages zu haben.

Und plötzlich habe ich noch Kapazität, merke, dass etwas fehlt. Der Kurs spricht von 5 Minuten Meditation in der persönlichen Morgenroutine, einfach nur auf den Atem konzentrieren. Waaaah! Mein Hirn ist vergleichbar mit einer Horde hyperaktiver Grashüpfer. Mindestens drei von denen springen immer gleichzeitig herum, und zwar in verschiedene Richtungen. Aber ich war tapfer 😀

Zeit ist relativ

Ich hätte ja nie gedacht, dass 5 Minuten so lang sein können! Zum Glück habe ich auf meinen Kursleiter gehört und mir einen Timer gestellt. Sonst hätte ich wohl die Hälfte der Zeit damit verbracht, auf die Uhr zu schielen …

Unzählige Male sind meine Gedanken abgewandert und genauso oft habe ich sie wieder eingefangen … einatmen, ausatmen, einatmen, hat Kind 4 heute eigentlich schon früher Schluss?, einatmen, ausatmen, die Katze muss unbedingt ihr Spot On kriegen, ausatmen, einatmen, wann wollte Kind 3 nochmal seinen Geburtstag nachfeiern?, einatmen, ach Mist, die Wäsche! piep piep piep piep …

Der Wahnsinn kriegt Methode

Nach einer Woche ungefähr fing ich an, mich in der Zeit auf Gott zu konzentrieren. Wie es in Psalm 46 heißt: Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin. (Vers 10)

Das Gute daran ist, dass meine herumhopsenden Gedanken jetzt auch eine Homebase haben. Ich kann jeden einzelnen bei Gott in gute Hände legen und spüre richtig, wie mir dabei jedes Mal auch eine Last von den Schultern fällt. Für diesen Tag heute sorgt Gott für Seelen der Kinder, segnet meinen Partner, stattet mich aus …

Es ist mir nicht leicht gefallen, diese „Untätigkeit“ auszuhalten. Aber es gibt mir eine geistliche Homebase, ein Basislager für den Tag:

  • ein Ort, wo ich meine Gedanken ablegen kann
  • ein Ort, wo ich um Rat fragen kann (wenn einer über die Bedürfnisse meiner Kinder Bescheid weiß, dann doch wohl derjenige, der sie bis ins kleinste Detail geplant und „gebaut“ hat, oder?)
  • ein Ort, wo ich vor Überforderung hinfliehen und zur Ruhe kommen kann

Wo es hinführt …

„Stille Zeit“ war nie so mein Ding, diese Regelmäßigkeit, schauderhaft! Und wahrscheinlich ist es auch gut, dass meine paar Minuten am Morgen anders heißen. Sie sind aber im Laufe der letzten Wochen zu einem wertvollen Teil meines Alltags geworden. Vergesse ich sie, merke ich es später am Tag wirklich deutlich, weil ich mich verzettel. Wie auf meinen früheren Buchmessetagen renne ich herum, die Tasche drückt, die Jacke ist ständig im Weg und die Füße tun mir weh, im übertragenen Sinne jedenfalls. Ich kann das Wichtige nicht so gut vom Unwichtigen unterscheiden, merke nicht schnell genug, worauf es jetzt ankommt, verpatze Situationen mit den Kindern. Das allein erhöht meine Motivation sehr, mir die 5 Minuten jeden Morgen zu nehmen.

Hast Du ein Ritual, dass Dir hilft, geistlich gut über den Tag zu kommen? Hast Du eine Homebase für Dich gefunden? Wenn nicht – was hindert Dich noch daran? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

2 Comments for “Homebase – mein geistliches Basislager”

Daniela engel

says:

Ich han kein würklichi homebase. Wen mirs amig zviel wird stell i christlichi musig i über eusi sonos boxe und gnüsses bi dem was i grad tue. Singe lut mit und laufe durs huus. Kids wüssed scho dass mi den nöd störe söttet. Seinzig was jedesmal id hose gat isch swuchenend. Min maa hed nöd de glich musiggschmack und au nonig christ. Er wett mini musig nöd lose und jedesmal knallts und mir hend lämpe. I han jetzt agfange musig am morge ganz lislig idstelle. Mer ghört si fast nöd und si lauft glich im hindergrund.

Zabig vorem is bett ga mach i den no stilli ziit und lies ide bible.

Lg

says:

Musik ist schon auch eine Art Homebase, finde ich. Es ist ein innerer Raum, der dafür zur Verfügung steht.
Das Wochenende ist bei mir auch die kritischste Zeit. Das liegt in meinem Falle jetzt nicht an meinem Partner, sondern eher daran, dass (an Kinderwochenenden) sechs Kinder herumwuseln, es bei den Mahlzeiten und auch sonst einfach laut ist. Dabei schreit keiner rum, aber der Lärmpegel von acht Menschen ist einfach mal recht hoch. Das lässt sch gar nicht vermeiden. Da suche ich auch immer noch nach Wegen, meine empfindlichen Ohren und mich besser schützen zu können …

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