Sind so schöne Seelen …

Moin,

heute haben wir eine sehr intensive Zeit mit unserem kleinen Sohn gehabt. Seine kleine Seele zeigt sich so ganz ungeschützt, er öffnet sich und hält nichts von dem zurück, was in ihm vorgeht. Was für ein kostbarer Schatz! Und wie leicht ist es, gerade von dieser Offenheit und Unmittelbarkeit überrumpelt und schlimmstenfalls angenervt zu sein. Wir hatten heute die Ruhe, einfach mit ihm zu sitzen, seine Tränen zu trocknen, ihm zu versichern, dass er geliebt ist. Aber wie oft ist es im Alltag einfach zu viel, fällt es schwer auf vermeintliche Kleinigkeiten so tiefgründig einzugehen? Auch heute war es nur eine Kleinigkeit aus meiner Sicht. Wir hatten herumgealbert und plötzlich flossen die Tränen. Etwas von dem, was ich gesagt habe, hat ihn getroffen. Und er hat das sehr klar gemacht und das, was ihm nicht passte, ganz klar zurückgewiesen.

Es fasziniert mich zu sehen, wie gut auch so ganz kleine Personen schon einschätzen können, was ihnen gut tut. Wie klar sie ihre Grenzen haben. Das bedeutet nicht, dass sie mit ihren Grenzen und Befindlichkeiten hemmungslos dominieren, wie es in der Familie zugehen kann. Und spätestens, wenn ein zweites Kind da ist, das auch mit seiner Seele und seinen Bedürfnissen gesehen und wertgeschätzt werden will, ist es auch gar nicht mehr möglich, den kindlichen Bedürfnissen so ungebremst nachzugeben.

Junior – Seele?

Auf jeden Fall können wir festhalten, dass die Seele, die in unseren Kindern wohnt, genauso beseelt und wertvoll ist, wie die eines jeden Erwachsenen. Derselbe Geist, der Martin Luther, Mutter Theresa und Jesus im Mutterleib geformt hat, wohnt auch in den Seelen unserer kleinen, rotznasigen Krawalltüten. Lass Dir das mal auf der Zunge zergehen! Keine Junior-Version, die irgendwann ein Upgrade benötigt. Die Seele ist jederzeit in Verbindung – mit unserem irdischen Bewusstsein, und mit dem göttlichen Bewusstsein, dem Heiligen Geist.

Wenn wir kirchengeschichtlich zurückblicken, hat der Kirchenvater Augustinus dafür ein wirklich schönes Bild gefunden, das mich schon lange begleitet. Er stellte es sich so vor, dass die Seele als Bindeglied zwischen dem einzelnen Menschen, seinen Gefühlen und Wahrnehmungen, seinen Gedanken und auch seinem Körper auf der einen Seite, und dem Göttlichem auf der anderen Seite ist. Sie zieht quasi das Göttliche zu uns herunter, und das Menschliche hoch zu Gott.

Seele

Auf den Anfang kommt es an?

Wenn ich mir meinen kleinen Sohn anschaue und wenn ich mir anschaue, was in der Bibel über kleine Babys, über Ungeborene, über kleine Kinder steht, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass die Verbindung zwischen der Seele und Gott in dieser Zeit ganz besonders intensiv ist. Es scheint eine Durchlässigkeit vorhanden zu sein. Gott formt uns im Mutterleib, und er kennt uns durch und durch. Zu keiner Zeit ist der Mensch wieder so direkt dem Geist Gottes ausgesetzt, wie zu der Zeit, zu der er nichts weiter tut als zu spüren und zu sein. Vielleicht ist es deswegen auch so verheerend, wenn ein Menschlein, eine Seele in dieser frühen Zeit tief verletzt wird, traumatisiert wird, lebensgefährlich bedroht wird. Die schlimmsten Schädigungen, die fast nicht mehr rückgängig zu machen sind, geschehen in dieser Zeit. Ich schreibe das nicht, um Hoffnungslosigkeit zu verbreiten. Vielmehr dürfen wir ein Gespür dafür entwickeln, wie wichtig es ist, dass wir die Seele unserer kleinen Kinder sehen und bewahren. Sie ans Licht kommen und sich ausdrücken lassen. Dass wir unsere Kinder nach Möglichkeit nicht mundtot machen, nicht mit einem „Ach hab dich nicht so“ ihre Seelenregungen wegwischen. Dann werden sie mehr und mehr ihre Seelen verschließen und sich schützen. Sie werden einen Zaun um ihre Seele herumbauen.

Kann man die Seele abhärten?

Draußen in der Welt geht es rau zu, da muss das Kind drauf vorbereitet werden – diese Meinung hast Du bestimmt schon einmal gehört. Vielleicht denkst Du es auch selber? Gott scheint das anders zu sehen. Er redet davon, dass gerade die kleinen Kindern – die mit den noch ungeschützten, offenen Seelen – zu ihm kommen sollen. Und er redet davon, dass wir wieder so werden sollen, wie die kleinen Kinder. Er wünscht sich so sehr, ständig in Kontakt zu Deiner Seele, zu meiner Seele zu stehen! Und er heilt kaputte Seelen. Er ist derjenige, der in der Lage ist, jedes Loch, jede Verwundung heil zu machen, unseren ursprünglich gedachten Seelenzustand wieder herzustellen. Meistens ist das ein langer, und oft auch schmerzhafter Weg. Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, die Seele unserer Kinder als so schützenswert vor Augen zu haben, dass wir es unseren Kindern ermöglichen, diese immer wieder vor uns zu öffnen und durchscheinen zu lassen.

Und natürlich interessiert mich, was Du dazu denkst, welche Erfahrungen Du damit vielleicht schon gemacht hast. Hinterlasse mir gern einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail 🙂

Deine Juliane

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