Tage wie heute

Manche Tage sind voll Lachen und Gesang, die Kinder tun meiner Seele gut und meine Geschichten fließen nur so aus der Feder. Ich habe Lust am Leben! Und dann gibt es Tage wie heute.

Traurige Tulpen Tage wie heute
Traurige Tulpen

Die Tulpen lassen die Köpfe hängen, obwohl ich sie erst gestern gekauft habe. Ob sie keine Lust auf mein schönes Regalbrett haben?

Mein angelesenes Buch erzählt von Menschen, die in Zeiten aufgewachsen sind, in denen ihren Seelen wenig Beachtung geschenkt wurde. Deren Eltern selber unglaubliche Verletzungen und Verluste erlitten haben. Ich sehe das Echo dieser Zeit überall. So viele verletzte und traurige Seelen! Und so viele Fassaden, die genau das überspielen wollen. Und dabei ihren Kindern wieder das gleiche mitgeben.

Simon&Garfunkel singen im Hintergrund von Brücken und von einsamen Inseln, von Mrs. Robinson und von strahlenden Augen, die einfach so erloschen sind. Es treibt mir die Tränen in die Augen … Meine Depri-Mugge … symptomatisch für Tage wie heute.

Art Garfunkel – Bright Eyes

Überdeutlich sehe ich die verletzten Seelen vor mir. Meine, die meiner Kinder, die meiner Liebsten. Ja, es ist viel Heilung geschehen. Und ja, es ist immer noch so viel im Argen. Verletzt. So unzulänglich. Ich bin nicht in der Lage, ihnen das zu geben, was sie brauchen. Was ihre Seelen heilen könnte. Was sie vor neuen Verletzungen effektiv schützen kann.

Ich sehe die Augen der Kinder in den Kitas, in denen ich arbeite. Wie verloren manche von ihnen gucken! Wie sie jeden Funken Aufmerksamkeit aufsaugen.

Ich erinnere mich an Klavierschüler, deren Eltern davon überzeugt waren, dass sie nur gehorchen würden, wenn sie ausreichend Angst vor der Strafe hätten. Ich habe Jahre gebraucht, um so etwas wie eine halbwegs vertrauensvolle Beziehung zu diesen Kindern aufzubauen. Wer einmal auf Angst und Strafe „programmiert“ wurde, ist fast nicht in der Lage, in Freiheit und respektvoller Wertschätzung klarzukommen. Zu stark ist der Drang, auszutesten. Herauszufinden, an welcher Stelle jetzt der Hammer kommt.

Ich sehe Menschen, die ich sehr lieb habe, die sich selber kaputt machen. Ich kann sie nicht hindern. Ich rede, wo es sinnvoll scheint. Ich bin da. Aber ich kann nichts für sie ändern, kann ihre Entscheidungen nicht treffen, ihre Kämpfe nicht kämpfen. Und das Zusehen tut weh.

Ich flüchte mich zu meinem himmlischen Papa, will mich auf seinen Schoß kuscheln und die Augen verschließen. „Was hast Du Dir da bloß einfallen lassen?“, frage ich ihn. Spüre sein trauriges Lächeln.

Meine Kinder treffen eigene Entscheidungen, leben ihr Leben, lassen sich auf Veränderungen ein oder nicht. Verweigern notwendige Veränderungen, treffen ihre eigenen Entscheidungen, leben ihr Leben.

Seine Kinder machen es genau so.

Ich kann für meine Kinder da sein, aber nicht für sie leben. Ich bin nicht mal für alle ihre Verletzungen verantwortlich. Sie sind ihre eigenen Personen. Ich bin ihre Mutter, nicht ihr Diktator oder Strippenzieher. Dir geht es mit Deinen Kindern auch so, nehme ich an.

An Tagen wie heute wollen Tränen geweint werden. Zu groß ist das Elend, sind die Verletzungen um mich herum. Überall Hass, überall Verletzungen. Vorurteile. Sovieles, was durch banale Missverständnisse kaputtgeht. Unversöhnlichkeit, die wertvolle Verbindungen vergiftet. Ich fühle mich macht- und kraftlos.

Und die Sonne scheint einfach trotzdem. Mein kleiner Sohn liest sich selber ein Bilderbuch vor. Meine Tochter schickt mir ein „ich hab dich lieb“ mit einem dicken Herz dazu über whattsapp. Gleich werde ich meine Arbeit hier einfach liegen lassen und raus gehen. Mich in die Sonne setzen und dem Lütten dabei zusehen, wie er im Sandkasten eine Baustelle eröffnet.

So gern ich überall auf der Welt für Frieden und heile Seelen sorgen möchte – ich kann es nicht. Ich kann nicht einmal sicherstellen, dass meine Kinder vor Verletzungen bewahrt bleiben. Ich kann nur das meine dafür tun, dass die Voraussetzungen so gut wie möglich sind. Und demjenigen, der den größeren Überblick hat, vertrauen, dass er nicht völlig planlos ist. Und dass es nicht vergeblich ist, so viel Liebe wie möglich in die Welt zu senden.

Und es ist gut, dass ein jeder Tag nur seine eigene Sorge hat (nach Mt 6, 34), denn ganz ehrlich – das reicht mir für heute auch völlig aus.

Kennst Du solche Tage? Wie gehst Du mit solchen Sinnkrisen und Weltschmerzanfällen um?

Wohltumusik für die Seele

Deine Juliane

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