Das Christkind sieht alles!

„Wenn ihr nicht gleich lieb seid, dann gibt es Weihnachten keine Geschenke!“

Geschenke unter dem Weihnachtsbaum

Kennst Du das? Es gibt unzählige Versionen dieser Drohung, manche direkt, manche sehr subtil verpackt. Von der berühmten „Rute“, die Missetäter erhalten, ist die Rede. Bei manchen Familien hängen die Wunschlisten der Kinder aus – und bei gröberem Fehlverhalten wird einfach ein Wunsch durchgestrichen. Vorzugsweise einer der teureren.

„Pass auf, das Christkind sieht alles!“

„Ich schicke dem Christkind gleich einen Brief und erzähle ihm, wie ungezogen du warst!“

„Da ist Jesus aber traurig, wenn du dich so aufführst!“

 

Okay, der letzte Satz kommt nicht nur zu Weihnachten vor … aber eins haben diese Aussagen gemeinsam: Sie zeigen unseren Kindern, dass sie nur für gutes Benehmen etwas erwarten können. Dass sie nur dann in den Genuss liebevoll ausgewählter Geschenke – und damit auch der liebevollen Zuwendung – kommen werden, wenn sie das Christkind, oder eben Mama und Papa, nicht traurig machen. Und wie machen sie das? Indem sie ganz brav sind, nicht aufmucken, sich gerade zur Weihnachtszeit am besten in kleine Engel verwandeln.

Und solche Kinder gibt es wirklich. Sie sind leicht zu beeindrucken, ein paar Andeutungen hie und da, und schon sind sie mustergültig. Manchmal habe ich die Eltern solcher Kinder heimlich ein bisschen beneidet.

Andere Kinder sind auch mit „schweren Geschützen“ kaum zu bändigen. Gerade in der Adventszeit zappeln und toben sie, widersprechen, führen keine Aufgabe zu Ende (wenn sie denn überhaupt damit anfangen), streiten mit allen, die ihnen irgendwie in den Weg kommen etc.p.p.

Weihnachten – das Fest der Liebe. Der menschgewordenen Liebe. Gott selber kommt auf die Welt.

Warum hat er das gleich noch mal getan? Damit wir jemand Neues haben, mit dem wir unseren Kinder drohen können? Damit endlich jemand von außen direkt kontrollieren kann, was wir so anstellen? „Pass auf kleines Auge, was du siehst!“

Gott hat uns – jeden einzelnen – so unglaublich lieb, dass er eben nicht äußere Kontrolle benutzen will. Was er will ist eine Beziehung – von seinem Herzen zu meinem Herzen, zu Deinem Herzen, zum Herz unserer Kinder.

 

„Kinder, Jesus hat euch total lieb und will euer bester Freund sein. Aber wenn ihr nicht artig seid, dann bringt er euch keine Weihnachtsgeschenke. Ist das klar?“

 

Öhm … echt jetzt? Entweder, seine Liebe ist bedingungslos, komplett ohne Ansehen unserer Schwächen, Fehler, Missgeschicke, Entscheidungen – oder sie ist es eben nicht. Ist an unser Verhalten gekoppelt.

Liebe gegen Leistung – das perfekte Rezept für Burnout. Und für Selbstzweifel, für das ständig nagende Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Wollen wir, dass unsere Kinder voll Vertrauen zu ihrem Gott schauen können? Wollen wir, dass sie sich in seine Arme werfen, wenn sie Mist gebaut haben? Wenn sie Angst haben? Wenn sie sonst keinen haben, an den sie sich wenden können (und ja, das passiert auch in den besten Familien)?

Dann dürfen wir ihnen nicht mit dem Christkind drohen.

Wir schenken zu Weihnachten, weil etwas wunderbares passiert ist, und alle Welt an dieser Freude Anteil haben soll. Wir schenken, um zu geben, nicht, um zu kontrollieren!

Eigentlich klar, oder?

Aber – und ich höre es ganz genau! 😀 – was tun, wenn die Kinder gerade in der Weihnachtszeit völlig auskreisen? Nicht mehr zu bändigen sind? Aufsässig und aggressiv sind?

Ich glaube, das Netz ist voll mit guten Ratschlägen und Hinweisen für diese Zeit. Ich möchte Euch hier meine bewährtesten Tipps mit auf den Weg geben.

  1. Zucker vermeiden, so gut es eben geht!

Klingt unmöglich? Stimmt. Jedenfalls für die meisten von uns. aber es ist trotzdem erstaunlich, wie viel man tun kann!

Es geht los mit dem Adventskalender. Tu Dir und Deinen Kindern den Gefallen und verzichte auf einen Kalender voller Süßigkeiten. Das Stückchen Schokolade am Morgen ist für viele Kinder einfach schon zu viel, setzt die inneren Schalter ganz falsch für den Tag. Je jünger das Kind, desto stärker die Wirkung. Je anfälliger für „Zuckerreaktionen“, desto stärker. Meine große Tochter hat jahrelang überhaupt keinen normalen Zucker vertragen. Es hat ziemlich genau zwanzig Minuten gedauert, dann war es, als ob ein Schalter in ihrem Kopf umgelegt war und sie war ein klassisches ADHS-Kind, das selbst banalste Auf- und Anforderungen mit gigantischen Wutanfällen beantwortet hat. So krass ist es nicht bei vielen Kindern, aber sie reagieren alle.

Natürlich sollst Du nicht auf einen Adventskalender verzichten.  Wie wäre es mit einer der folgenden Alternativen?

  • ein Adventskalenderbuch mit einem (kurzen) Kapitel zum Vorlesen für jeden Tag
  • Kalenderfüllungen ohne Zucker – z.B. mit Honig oder Datteln o.ä. gesüßt, kleine Spielzeuge (gern auch welche, die am Ende eine komplette Spielszene ergeben)
  • der klassische Bildchenkalender – auch mit Glitzer, als Fensterbild, als Häuschen zum Kerze innen reinstellen, …
  • ein 24-Gute-Taten-Adventskalender

Eine tolle Zuckeralternative nicht nur für die eigene Weihnachtsbäckerei ist übrigens Birkenzucker (auch als Xylit oder Xucker bekannt). Er hat keine der bekannten Nebenwirkungen und pflegt außerdem noch die Zähne! Ich nutze ihn seit mehreren Jahren 🙂

     2. Frische Luft!

Eigentlich ein so einfacher und logischer Schritt – schick die Kinder raus! Ab an die Luft mit ihnen, und wenn es nur eine halbe Stunde ist. Unglaublich, wie viel ruhiger und ausgeglichener die kleinen Krawallbürsten sind, wenn sie sich noch einmal draußen geerdet haben. Meine kleineren Kinder haben es im Winter direkt auf ihrer to-do-Liste zu stehen und müssen diesen Punkt mit abhaken.

Schneemänner Kinder

Am Besten ist es, wenn sie noch im Hellen rauskönnen und ihre restlichen Aufgaben dann eben hinterher erledigen.

     3. Stress rausnehmen

Du wusstest, dass das kommen würde, stimmts? Gerade die Vorweihnachtszeit ist so voll mit Terminen und Dingen, die unbedingt noch erledigt werden müssen, dass Du sehr leicht aus dem Blick verlieren kannst, wie klein und schutzbedürftig Dein Kind noch ist. Lass Dein Kind ausschlaggebend sein für Zu- oder Absagen. Eine Weihnachts- oder Adventsfeier, die eigentlich zu viel ist, macht dann auch keine rechte Freude. Notfalls kannst Du wenigstens ein Zeitlimit setzen.

Du musst auch keine x Sorten Plätzchen backen. Oder überhaupt backen. Auch wenn es irgendwie „dazugehört“ – wenn es in diesem oder jenem Jahr nicht passt, dann passt es eben nicht. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht, den Kindern die Verantwortung für die Kekse selber in die Hand zu geben. Das Kneten des Teiges hat eine therapeutische Wirkung. Wenn Mama dann noch ihren Perfektionsanspruch herunterschraubt, sind auch „Krüppelkekse“ aus Kinderhand mehr als akzeptabel.

Kekse verzieren

Gute Backzutaten kosten ihr Geld – also könntest Du das Geld auch zum Bäcker Deines Vertrauens tragen. Mittlerweile gibt es fast überall welche, die nicht nur Handarbeit liefern, sondern auch mit besonderen Zutaten backen. Zuckerfrei zum Beispiel 😉

Und ganz ehrlich, handgeschriebene Weihnachtspost an alle Lieben ist zwar schön, aber frisst auch unheimlich viel Zeit. Vielleicht überlässt Du diese Aktivität in den nächsten jahren einfach den Leuten, die die Zeit dafür haben und schreibst lieber eine kurze Rundmail …

Mich interessiert Eure Meinung – wie geht Ihr mit dem Christkind um? Was hilft Euch, die Weihnachtszeit ruhiger anzugehen? Ich freue mich auf Eure Kommentare 🙂

Bis bald und eine gesegnete Adventszeit noch!

Eure Juliane

6 Comments for “Das Christkind sieht alles!”

Karin Diethelm

says:

Super Thema, dass mich auch beschäftigt. Ich habe dazu auch zwei Tipps:
Erziehung mit Liebe und Vision; Herzensverbindungen eingehen statt Machtkämpfe austragen von Danny Silk und Grace for the Contemplative Parent von Lily Crowder. Also mein Leben ist viel ruhiger geworden, nicht nur in der Weihnachtszeit.

says:

Danke für die Tipps! Das Buch von Danny Silk lese ich auch gerade (wieder). Da steckt sehr vieles drin. Das andere Buch kenne ich nicht, werde ich mir aber auf jeden Fall einmal anschauen.
Gesegnete Weihnachten!

Manuela Marthaler

says:

Liebe Juliane, hast du sehr schön geschrieben. Bin ich froh, dass es wirklich auch noch andere gibt, die so denken und handeln. Für mich ist der Advent Heilig. Was bis 1. Dezember nicht gemacht ist, braucht es nicht. Und wegen dem, muss überall dabei sein, sowieso nicht. Handhaben wir das ganze Jahr so. Auch wenn es mal erst eine Stunde davor ist, wenn es den Kindern nicht gut tut, tut es auch uns nicht gut, und umgekehrt. Das ist so eine kurze Zeit, wo die Kinder einem ganz fest brauchen, wegen dem rennt das Leben nicht davon. Leider wird bei uns sehr viel gepuscht, und das schon im Kindergarten. Und deshalb ist dann eh noch weniger drin Zuhause. Danke für deine Zeilen, hat echt gut getan.
Wünsche dir und deiner Familie von Herzen eine gesegnete Zeit!

says:

Ui, das schaffe ich nicht … meistens wird es so Stück für Stück bis Mitte Dezember. aber ohne Stress. Wir machen nur so viel, wie wir Lust haben und uns gefällt.
Das mit dem Pushen ist ein Problem, ja. Aber man kann es als Eltern auch gut abfedern, finde ich. Den Druck einfach nicht weitergeben, dem Kind explizit erlauben, sich seinen Freiraum zu nehmen. Allerdings braucht man da manchmal ein ganz schön dickes Fell für …
Jedenfalls wünsche Euch auch eine gesegnete restliche Adventszeit 🙂

Debbie

says:

Super, gratuliere! Das mit dem Zucker gefällt mir besonders gut!! Zucker macht enorm viel aus. Wir leben in einer überzuckerten Welt und könnten uns manche Krankheit ersparen wenn wir das mit dem Zucker etwas „in Griff“ bekommen würden. Wer versucht nur schon eine Woche ohne Zucker aus zu kommen merkt schnell wie „süchtig“ man danach ist.
Ich selber esse sehr gerne süsses – versuche mir aber immer wieder bewusst zu machen was ich esse. Ist nicht einfach – auch nicht mit den Kindern. Unser jüngster ist so auf süsses aus – er steht vor dem Adventzkalender und dreht mit seinen 1,5 Jahren fast durch bis er sein „Schöggeli“ bekommt. Hätte mir „Täubeliphase“ bis er die Schoggi bekommt am morgen tatsächlich ersparen können… ;). Gar nicht immer so leicht wenn die grösseren es ihm vormachen.

says:

Danke schön 🙂
Ich muss sagen, wir hatten „Glück“, dass bei uns die Große am stärksten betroffen war. Dadurch konnten wir von vornherein die Richtung vorgeben, was den Umgang mit Süßigkeiten angeht. In ihren ersten zwei Lebensjahren mochte sie auch gar nichts Süßes, hat es angewidert wieder ausgespuckt. Irgendwann hatten die Omas sie dann aber doch soweit, dass sie es wollte …
Mein Dreijähriger hat auch noch keinen Schokoadventskalender (und die Großen haben ihren (von Oma geschenkten …) in ihren Zimmern, wo er nicht ran kann, so dass es für ihn gut geht), er hat so einen mit magnetischen Bildchen, mit denen er auf einem großen Magnetbild spielen kann. Findet er total klasse.

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