Warum ich meine Mittagspause auf der Piste verbringe

Moin!

Bewegung

Könnt Ihr es glauben? Es ist wirklich und wahrhaftig endlich Frühling geworden! Zwischendrin war es sogar schon hochsommerlich. Und nu? Geh ich „auf die Piste“. Bikini-Figur erarbeiten? Wer mich kennt weiß, dass ich eh Badeanzüge bevorzuge 😉 Also nein, es geht nicht um die Bikini-Figur. Aber um Bewegung.

Bewegung, Inliner, Radweg

Das Mutti-Tasking-Dilemma

Jeden Tag stürzen unzählige Anforderungen auf mich ein. Als Mama darf ich derzeit fünf Kinder hier beim Aufwachsen begleiten, dazu kommen all die Kinder in meinen musikalischen Früherziehungsgruppen, die Kinderbuchmanuskripte (ja, eigentlich sollte ich gerade was anderes schreiben … *räusper*), Lektorate, Blogartikel für Euch, die Vorbereitung meines Online-Familienkongresses, das bisschen Haushalt und und und. Leider bin ich so gar kein Organisationstalent und Aufschieberitis ist ein Dauergast an meinem Tisch.

„Prokrastination“ heißt der Fachbegriff für den Drang, alles immer wieder und so lange auf die lange Bank zu schieben, bis es schließlich hinten runter fällt. Manchmal passiert dann gar nichts, aber oft genug fällt es mir dabei schmerzhaft auf die Füße. Wäre es nicht toll, produktiver zu sein? Die objektiv vorhandene Zeit so auszunutzen, dass ich die Sachen rechtzeitig hinkriege? Ich rede noch gar nicht davon, mehr schaffen zu wollen (wobei das ein netter Nebeneffekt wäre), ich wäre schon ganz glücklich, wenn ich die Sachen nicht immer erst dann erledigen würde, wenn ich ganz wirklich überhaupt gar nicht mehr drumrum komme. Denn dann leidet der Rest.

  • ich bin den Kindern gegenüber ungeduldig
  • mein Haushalt … reden wir nicht über meinen Haushalt
  • es fehlt die Möglichkeit, die eigene Arbeit mit etwas Abstand noch einmal anzuschauen und zu verbessern
  • ich komme in so einen hyperaktiven Modus
  • mein Nachtschlaf leidet weil das Hirn nicht runterfahren kann
  • vor lauter Schlafmangel werde ich ein unglaublich zerstreuter Professor
  • erwähnte ich schon, dass ich furchtbar ungeduldig werde?

Was also tun?

Termine habe ich schon genug, also habe ich mir kurzerhand einen Online-Kurs gesucht (frei einteilbare Zeit, ich entscheide, wann ich die nächste Lektion sehe), der mir dabei helfen soll, mich besser zu fokussieren und am Wesentlichen dranzubleiben. Um das zu erreichen, darf ich auf zwei Ebenen an mir arbeiten.

Im Innen

Zum einen gibt es die inneren Baustellen – Sorgen, die ich mir um Dinge mache, die ich eh nicht beeinflussen kann, zu viele unerledigte Dinge, die mir den Seelenfrieden rauben, ungeklärte Beziehungen, keine Zeit, um mal einfach wieder bei Gott anzudocken. Hier gilt es, Reibungspunkte zu entschärfen, meine überflüssigen Sorgen dort abzugeben, wo sie hingehören, mit mir selber ins Reine zu kommen, routinemäßige Punkte zu finden, an denen ich mit Gott ins Gespräch und in Beziehung kommen kann, einfach atmen.

Im Außen

Rein äußerlich kann ich schon eine ganze Menge dafür tun,  dass ich fit und gerüstet bin für meine Arbeit und Anforderungen. Unvermeidliche Punkte dabei sind – wie Du sicherlich schon erwartet hast – Ernährung und Bewegung.

Der Online-Kurs empfiehlt, früher aufzustehen und eine Morgenroutine aufzubauen. Gähn. Sechs Uhr Weckerklingeln ist so schon Folter für mich. Keine Chance, den noch früher losgehen zu lassen! Und es hilft mir auch nicht für den kreativen, selbst einzuteilenden Bereich meiner Arbeit.

Mein Morgen ist an sich schon wahnsinnig gut durchstrukturiert. Die Kinder gehen täglich satt, mit Brotdosen versorgt, rechtzeitig und gesegnet zur Schule/Kita und ich schwinge mich anschließend ins Auto und gondel gemütlich über Land zu meinen kleinen Dorfkitas und Tagesmüttern. Mittags dann (oder was der Kindergarten dafür hält … 11 Uhr Mittagessen finde ich persönlich ja barbarisch) packe ich Gitarre und Musikkiste ins Auto.

Jetzt kommt der spannende Teil – (wie) schaffe ich es, meine kreative Arbeit so einzutakten, dass die Dinge, die mir für meine Familie wichtig sind, nicht zu kurz kommen?

Inspiriert von meinem Kurs habe ich angefangen, mir Gedanken über eine sportliche Betätigung zu machen. Einfach, um Sauerstoff durch meine Zellen zu pusten, den Kopf regelmäßig freizukriegen und quasi einen Startschuss für den zweiten Teil des Tages zu haben. Schon nach 30 Sekunden (!) Bewegung an der frischen Luft fängt das Gehirn übrigens an, neue graue Zellen zu schaffen. Wenn das kein schöner Nebeneffekt ist 🙂

Bei einer langweiligen Sportart, bei der man die immer gleichen Bewegungen abspult, kommt das Gehirn nach einer Weile in einen La-la-Zustand. Es schwingt so vor sich hin, immer im Takt der Schritte, und verarbeitet alles mögliche. Sogar das Gedächtnis verbessert sich auf diese Weise. Kann ich gebrauchen.

Die Praxis

Seit einigen Jahren fahre ich Inliner. Nicht so furchtbar gut, aber immerhin recht ausdauernd. Der erste Satz Rollen ist langsam hinüber. Das Dumme ist, dass ich mich immer erst ins Auto oder aufs Fahrrad setzen müsste, um zu einer gut befahrbaren Strecke zu gelangen. Totaaaaal realistisch …

Inliner Auto Bewegung

Andererseits fahre ich fast täglich an wunderschön ausgebauten Radwegen entlang, die die kleinen Landstraßen säumen. Des Rätsels Lösung lag somit auf der Hand. Seit einigen Wochen beherbergt mein Auto also eine große Tasche, in der sich meine Inliner, Helm, Schoner und die guten Inlinersocken (wichtig!) befinden. Wenn ich jetzt aus Hintertupfingen wieder nach Hause fahre, halte ich an einer Stelle an, wo ich mein Auto abstellen kann und sofort Zugang zu einer guten Strecke habe, werfe mich in Schale und nehme mir eine halbe Stunde Zeit, um mich zu bewegen.

Der innere Schweinehund fährt mit. Leider. Ich kriege es nicht zu allen Gelegenheiten hin. Und ich bin auf gutes Wetter angewiesen. Bei nasser Straßen ohne Regen findet man mich im Garten, auf dem großen Trampolin der Kinder. Anstrengend ist das! Und ich brauche dafür noch unbedingt Musik, denn es ist brülllangweilig, ehrlich gesagt … aber es ist mir wichtig genug, also werde ich mich noch entsprechend versorgen. Bloß mein Schietwetterplan ist dürftig … auf viel mehr als die erforderlichen 30 Sekunden Bewegung bis zur Hirnzellenneubildung komme ich da selten … aber gut, jetzt kommt ja erst mal der Sommer. Und bis zum Winter werde ich etwas etabliert haben.

Und bringt das was?

Tatsächlich merke ich erste positive Effekte. Ich kann mich anschließend besser konzentrieren und fokussierter an den Dingen arbeiten, die oben auf dem Plan stehen. Damit habe ich an vielen Tagen schon einen Vorsprung, bis die ersten Kinder aus der Schule kommen.

Dadurch, dass ich investiere, etwas von meiner wertvollen Zeit abzwacke, um fokussierter zu sein, scheint sich mein Innenleben auch verpflichtet zu fühlen, konzentrierter vorzugehen. Wenn schon – denn schon, denkt es sich vielleicht.

Inliner, Sport, Piste, Bewegung

Noch ist es ein Kampf, nach getaner Arbeit tatsächlich an den Rand zu fahren und die Inliner auszupacken. Wenn ich merke, dass ich mit mir kämpfe, streichel ich meinen inneren Schweinehund einmal freundlich und versichere ihm, dass er sich die Mühe sparen kann. Und dann fahre ich rechts ran und lege los. Eines Tages ist die Bewegung Routine. Dann muss ich nicht mehr darüber nachdenken, ob ich jetzt Sport mache. Und dann kann ich die dadurch freigewordene Willenskraft für etwas anderes einsetzen. Darauf freue ich mich schon 🙂

Und Du?

Hast Du einen Weg gefunden, wie Du Dir mit Bewegung Gutes tun kannst? Erzähl mir davon!

 

Deine Juliane

 

3 Comments for “Warum ich meine Mittagspause auf der Piste verbringe”

Jutta Humburg

says:

Hallo Juliane,
Sehr schöner Artikel! Ich bin heute wieder Fahrrad gefahren. Auf meiner Bahnstrecke werden seit 2 Wochen wieder Bauarbeiten durchgeführt(voraussichtlich für ein Jahr !!!), so dass ich gerade dabei bin mir eine Alternative zusuchen. Heute waren es 27km Radweg, sehr nett gelegen und für mich war dieser noch neu.
Letze Woche hatte ich eine andere Strecke, die ging leider gar nicht, da sie die meiste Zeit durch den Wald führte und viel zuviel Sand unterm Rad war, so dass ich nur oft nur schieben konnte. Ich bin zwar dann immer etwas später zuhause als sonst, aber da unsere „Kinder“ ja schon etwas größer sind, gönn ich mir das.

says:

Oh, danke schön, liebe Jutta! Ja, radeln ist auch eine feine Sache. Mein Rad hat allerdings gerade den Geist aufgegeben und wir stehen der modernen Schalttechnik im Augenblick noch hilflos gegenüber 😀 Wenn unser ganz Kleiner so groß ist wie Eure ganz Kleine, dann mach ich sowas auch wieder. Freu ich mich schon drauf!

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